Geschichte der Bruderschaft

Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Tüddern wurde im Jahre 1512 gegründet, so dass mit Recht im Jahre 2012 das 500-jährige Jubiläum gebührend gefeiert werden konnte. Das Gründungsjahr ging aus dem zum Teil noch mit Gänsefeder geschriebenen Urkunden hervor, die bis zum 2. Weltkrieg im Hause des inzwischen verstorbenen langjährigen Schützenbruders Wilhelm Schürmann aufbewahrt wurden, dann jedoch infolge der Kriegsereignisse gänzlich verloren gegangen sind. Auch trug kurz nach dem 1. Weltkrieg bei einem internationalen Schützenfest in Sittard (Niederlande) der Tüdderner Schützenkönig noch eine Silberplatte und einen silbernen Königsvogel mit der Jahreszahl 1512. Die Bruderschaft hat zurzeit 170 Mitglieder.

Die Bruderschaft erhielt bei der Gründung den Namen des hl. Severinus. Um 1600 wurde dann der hl. Sebastianus ihr Schutzpatron. Um 1800 kam es zu einer Teilung der Bruderschaft, so dass Tüddern mit zwei Schützengilden – eine im Oberdorf und eine im Unterdorf – aufwarten konnte. Die Teilung dauerte jedoch glücklicherweise nur kurze Zeit. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts errang Christian Josef Jessen im Jahre 1901 die Kaiserwürde, genau 60 Jahre später im Jahre 1961 mit Josef Teschers ein Urenkel des ehemaligen Kaisers. Weitere 28 Jahre später im Jahre 1989 errang Hans Beckers, Schwager von Josef Teschers, die Kaiserwürde. Schließlich wurde Beckers im Jahre 2002 durch Peter Spiertz abgelöst, der 3-mal infolge die Königswürde errang. Im Jahre 2015 war es dann soweit, die Bruderschaft hatte mit Paul Zinken ihren fünften Kaiser, in der über 500-jährigen Geschichte.

Wie der eingangs erwähnte, inzwischen verstorbene Schützenbruder Wilhelm Schürmann in der Festschrift zum Dekanatsschützenfest 1972 erzählt, waren während des 1. Weltkrieges fast alle Schützen zu den Fahnen eingezogen worden, so dass an den Kirmestagen keine Aufzüge durchgeführt werden konnten. Dies passte aber Altschützenbruder Wilhelm Meessen nicht, denn eine Kirmes ohne Aufzug ist “wie eine Suppe ohne Salz”. So sah man ihn dann vier Jahre lang bei jeder Kirmes allein mit der Fahne durchs Dorf ziehen, um so eine jahrhundertealte Tradition weiterleben zu lassen.

Nach Ende des 2. Weltkrieges gehörten noch 48 Mitglieder der Bruderschaft an. Auf der letzten Seite des Vereinsbuches der Schützen schreib der damalige Schriftführer Andreas Maassen folgenden Vermerk: “In diesem Zustand fand ich dieses Buch nach dem großen Weltkriege 1939-1945 wieder. Es soll uns Schützen eine ewige Erinnerung bleiben und uns ganz besonders an unsere gefallenen und vermissten Brüder erinnern. Tüddern, den 27. Juni 1945 – ein Tag nach meiner Rückkehr aus dem großen Kriege.”

Die Entwicklung des Vereinslebens ging schnell wieder aufwärts. Während man sich kurz nach dem Kriege die Uniform noch ausleihen musste, konnte die Bruderschaft beizeiten für die Offiziere eigene Uniformen anschaffen. Die übrigen Schützenbrüder zogen zunächst mit Schärpe und Uniformmütze auf. Anfangs der 60er Jahre erhielten sie dann Jägeruniformen, die auch heute noch getragen werden. Im Jahr 1982 wurde erstmals die Jungschützenuniformen vorgestellt.

Neben den wertvollen Urkunden gingen während des 2. Weltkrieges zahlreiche andere Besitztümer der Schützenbruderschaft verloren. So konnte nur etwa der vierte Teil des Königssilbers wiedergefunden werden. Die jetzt älteste Silberplatte stammt aus dem Jahre 1741. Verloren gingen auch eine historische Fahne aus dem Jahre 1741 und eine weitere aus dem Jahre 1907. Die Fahnen aus 1948 und 1961 werden nicht mehr bei öffentlichen Veranstaltungen getragen. Im Jahre 1982 wurde eine neue Schützenfahne durch den Präses der Bruderschaft Dechant Josef Schnitzler eingeweiht. Die Fahne aus 1961 wurde schließlich durch die letzte neue Fahne im Jahr 1999 ersetzt. Beide Fahnen wurden komplett durch Spenden der Mitglieder finanziert.

Aufgrund einer Initiative der Schützenbruderschaft begann Anfang 1977 eine Spendenaktion in der Bevölkerung zur Anschaffung einer neuen, holzgeschnitzten Sebastianus-Statue, die schließlich am 31.07.1977 in der Pfarrkirche St. Gertrudis vom Präses der Bruderschaft, Dechant Josef Schnitzler, eingesegnet wurde. Die Statue stammt von dem Gangelter Künstler Kurt Preuß.

Als eines der letzten Highlights ist das Erreichen der Diözesan-Königswürde im Diözesanverband Aachen von Schützenbruder Hans Beckers im Jahre 1985 zu erwähnen. Dies wurde beim Diözesankönigsfest im Mai 1986 gebührend gefeiert.

Im Jahr 1977 erbaute man auf dem Grundstück des damaligen Schießmeisters Johann Penners einen Schießstand, der im laufe der Jahre immer wieder umgebaut und erweitert wurde. Schließlich kam es im Jahr 2013 zum Umzug in den neuen Schießstand in der neu erbauten Westzipfelhalle. Die Westzipfelhalle wurde in nur 14-monatiger Bauzeit durch die gemeinsame Initiative der Tüdderner Ortsvereine fertiggestellt und der Bestimmung übergeben. Die Bruderschaft betreibt einen hochmodernen Kleinkaliberschießstand mit 2 Bahnen und einen Luftgewehrschießstand mit 10 Bahnen in der neuen Unterkunft.

Zum ersten Mal in der langen Historie der Bruderschaft erreichte der Jungschütze Lennart von Ameln beim Diözesanjungschützentag 2018 in Boscheln die Würde des Diözesanschülerprinzen im Diözesanverband Aachen.

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